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Kleine Klassen für die Kids

Bei familiären Problemen oder Lernschwierigkeiten kann der Besuch eines Internates helfen

Von Yvonne Scheller

Kleine Klassen, individuelle Betreuung und ein flexibles Schulsystem in Internaten bieten Hilfe bei Schulschwierigkeiten - und einen Weg zu einer erfolgreichen Lernkarriere

Eine Fünf in Mathe ist noch kein Beinbruch, wissen Schüler wie Eltern - solange es sich um einen Ausrutscher und nicht um ein wirkliches Verständnisproblem handelt. Wenn doch, bringt oft Nachhilfe den erwünschten Erfolg und beugt ernsthaften Schulproblemen vor. Doch was, wenn der Fünf in Mathe eine in Deutsch, Englisch und Biologie folgen? Wenn die Schule immer häufiger geschwänzt wird? Eine mögliche Konsequenz ist der Wechsel in ein Internat. Je nach Problemlage kann der ganzheitliche Ansatz, die ganztägige Betreuung oder auch eine psychologische Beratung in Internaten die Wende bringen. "Die Gründe, weshalb Jugendliche vom Schulweg abkommen, sind ausgesprochen vielschichtig", weiß Rainer Krieger, Internatsleiter der "Krüger Internat und Schulen" in Lotte bei Osnabrück. "Ein sehr häufig auftretendes Problem ist die Scheidung der Eltern, für viele Kinder geradezu ein traumatisches Erlebnis, das schnell zu einer emotionalen Überforderung führen kann. Aber auch gesundheitliche Gründe oder ein Umzug kann die Schulkarriere zum Absturz bringen". Bei Krüger sollen die Jugendlichen eine neue Chance erhalten. Krieger zum Konzept: "50 Prozent des Erfolges resultieren aus unserer Internatsstruktur: Regelmäßigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit und begleitete Hausaufgaben durch unsere Mitarbeiter. Die anderen 50 Prozent erreichen wir durch die Beweglichkeit unseres Systems, die es den Schülern erlaubt, etwa nach einem erfolgreichen Hauptschulabschluß den nächsten Abschluß anzupeilen ohne - und das ist wichtig - das gewohnte soziale Umfeld verlassen zu müssen." Zudem betont Krieger die berufsbildenden und wirtschaftsorientierten Angebote der Internatsschule.

Sehr gut am Arbeitsmarkt aufgestellt sind auch die Absolventen der Odenwaldschule, die das Internat in Heppenheim/Ober-Hambach mit einer Doppelqualifikation verlassen: Abitur und abgeschlossene Berufsausbildung, zum Chemisch-Technischen Assistenten, zum Informations-Technischen Assistenten oder mit einem Gesellenbrief im Schlosser- oder Schreinerhandwerk. "Das ist für die Schüler anstrengend", räumt Schulleiter Whitney Sterling ein, "trotzdem entscheiden sich mehr als die Hälfte für die Doppelqualifizierung." Für Sterling ein klarer Beleg für das funktionierende Konzept des an der Reformpädagogik orientierten Landerziehungsheims. Hier leben die Schüler in "OSO-Familien" (Odenwaldschule Ober-Hambach) mit sechs bis zehn Mitgliedern aus den Klassen 7 bis 13, je von einem Lehrerehepaar betreut, "in einer Art Großfamilie mit verbindlichen Beziehungen und festen Strukturen." So umsorgt und begleitet fällt die Konzentration wie auch die Bewältigung des Schulstoffs leichter, ist Sterling überzeugt: "Zu uns kommen oft Kinder, die im herkömmlichen Schulsystem nicht erfolgreich waren. Bei uns erleben sie wieder Lust am Lernen."

Das Schulsystem der Odenwaldschule ähnelt in den Klassen fünf bis zehn einer integrierten Gesamtschule: "Hier lernen Hauptschüler zusammen mit Gymnasiasten - jeder in seinem individuellen Tempo." Für die Gymnasiasten biete der gemeinsame Unterricht oft eine Förderung der sozialen Integration und des Verantwortungsbewußtseins. "Starke Schüler helfen den Schwächeren und festigen ihr Wissen, indem sie den Stoff anderen Schülern erklären. Für die Realschüler ergibt sich ein vielseitiger Unterricht, während die Hauptschüler stärker gefordert werden - ohne überfordert zu werden", betont Sterling. Da in der Mittelstufe ein Handwerk verpflichtend auf dem Stundenplan steht, schlüpfen hier wiederum die oft praktisch geschickten Hauptschüler in die Rolle des "Lehrers". Das schafft Selbstvertrauen, und das ist wichtig für den Schulerfolg.

Auch im Carpe Diem, einer privaten Ganztagsschule mit Internat in Bad Neuenahr-Ahrweiler, ist man vom Gemeinschaftsunterricht überzeugt. "Das ist im Grunde ganz unproblematisch, da bis zur 10. Klasse der inhaltliche Stoff ohnehin sehr ähnlich ist", erklärt Monika Bouhs, eine der drei Inhaberinnen. "Der Unterschied liegt vielmehr in der Vermittlung des Unterrichtsstoffs und da können wir in unseren kleinen Klassen von durchschnittlich zwölf Schülern sehr individuell vorgehen." Bei der überschaubaren Zahl der Schüler ließen sich Leistungsschwankungen nicht verbergen, erklärt Bouhs "und eine schlechte Note zieht automatisch Förderunterricht nach sich." Die individuelle Ansprache sei zudem besonders wichtig bei Kindern und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen, wie Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche), Dyskalkulie (Rechenschwäche) oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). "Diese Störung muß nämlich keineswegs medikamentös behandelt werden, vielfach hilft intensives Konzentrationstraining und der individuelle Ansatz."

Artikel erschienen am 17.06.2006

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